Helmut Winhofer
Das Wichtigste in Kürze
- Die Graphenintegrations-Plattform GIP ist das österreichweite intermodale Referenzsystem der öffentlichen Hand für Verkehrsinfrastrukturdaten. Sie bildet Straßen-, Schienen-, Fuß-, Rad-, Wasser- und Luftverkehr in einem gemeinsamen digitalen Verkehrsgraphen ab.
- Im Auftrag von ÖVDAT entwickelte Evolit den GIP 2.0 Client als webbasierte Anwendung neu. Ziel waren einfachere Arbeitsabläufe, eine bessere Bedienbarkeit und eine langfristig wartbare technische Basis.
- Der neue Client wird auf einer gemeinsamen technischen Basis in mehreren Ausprägungen für unterschiedliche Nutzergruppen bereitgestellt. Einzelne Komponenten können direkt in bestehende Fachanwendungen der GIP-Partner integriert werden.
Jede Straße, jede Bahnstrecke, jeder Geh- und Radweg: Sie alle sind Teil eines österreichweiten digitalen Verkehrsmodells. Auch Wasserwege und Flugverkehr werden darin abgebildet. Die Graphenintegrations-Plattform, kurz GIP, schafft damit eine gemeinsame Datengrundlage für Anwendungen in Mobilität, Infrastruktur und öffentlicher Verwaltung.
Im Rahmen von GIP 2.0 wurde diese digitale Infrastruktur umfassend modernisiert. Evolit verantwortete dabei die Neuentwicklung des GIP 2.0 Clients als webbasierte Anwendung – mit dem Ziel, komplexe Verkehrsdaten einfacher nutzbar, besser integrierbar, performanter und langfristig wartbar zu machen.
Ausgangslage & Problemstellung: Ein bewährter GIS-Client wird neu gedacht
Als amtliches, multimodales Referenzsystem führt die GIP Verkehrsdaten der öffentlichen Hand in einem österreichweiten Gesamtgraphen zusammen. Die einzelnen GIP-Partner pflegen ihre Daten hierfür dezentral.
Die Daten der GIP stehen als Open Government Data zur Verfügung. Auch bekannte Anwendungen wie die Verkehrsauskunft Österreich oder basemap.at greifen darauf zurück. Ebenso bauen verschiedene Verwaltungs- und Einsatzsysteme auf GIP-Daten auf. Zahlreiche Institutionen arbeiten mit der GIP, bringen unterschiedliche Anforderungen ein und nutzen die Daten in verschiedenen fachlichen Kontexten. Bestehende Abläufe mussten berücksichtigt werden, gleichzeitig sollte die neue Lösung Raum für künftige Erweiterungen bieten.
Der bisherige GIP 1.0 Client war über viele Jahre gewachsen und hatte sich im Betrieb bewährt. Seine technische Basis stieß jedoch bei Bedienbarkeit, Integration, Datenmengen und langfristiger Weiterentwicklung zunehmend an Grenzen. Gefragt war daher nicht nur eine neue Oberfläche, sondern eine grundlegende Modernisierung der Plattform.
Analyse & Herangehensweise: Anforderungen gemeinsam schärfen
Zu Beginn des Projekts mussten zahlreiche fachliche Anforderungen in ein gemeinsames Zielbild übersetzt werden. Evolit strukturierte diese Anforderungen gemeinsam mit ÖVDAT in intensiven Workshops und übersetzte sie in ein umfangreiches Pflichtenheft.
In der Startphase wurden die wichtigsten fachlichen und technischen Grundlagen erarbeitet. Offene Fragen wurden im weiteren Projektverlauf gezielt vertieft und unmittelbar in die Konzeption und Umsetzung zurückgespielt.
Ein eigener Schwerpunkt lag auf der Benutzeroberfläche. Mit Prototypen in Figma, einer klaren Informationsarchitektur sowie Interaction- und UI-Design wurden zentrale Abläufe früh sichtbar und testbar. Usability-Tests halfen dabei, die Anforderungen unterschiedlicher Nutzergruppen zu überprüfen und an ihren tatsächlichen Arbeitsabläufen auszurichten.
Das Projekt wurde agil umgesetzt. ÖVDAT erhielt regelmäßig testbare Softwarestände auf einer eigenen Umgebung. Fachliches Feedback, Änderungswünsche und Fehler flossen über Tickets und laufende Abstimmungen direkt in die weitere Entwicklung ein. Durch die parallele Entwicklung des neuen GIP 2.0 Servers war die Abstimmung über Schnittstellen, Datenmodelle und Systemgrenzen hinweg stets ein fester Bestandteil des Projekts.
Entwickelt wurde vollständig in der Infrastruktur von ÖVDAT. Das betraf Quellcode, Build-Prozesse, Tests und Dokumentation. Dadurch behält der Auftraggeber jederzeit Kontrolle über das System und dessen Weiterentwicklung.
Die Software wird zudem unter der European Union Public Licence als Open Source veröffentlicht. Damit steigen die Anforderungen an eine nachvollziehbare Dokumentation, eine saubere Lizenzierung und dauerhaft verständlichen Quellcode.
Umsetzung & Lösung: Ein moderner Web-Client für Österreichs Verkehrsdaten
Der Allgemeine GIP 2.0 Client, kurz AGC, und der Maßnahmenassistent basieren auf einer gemeinsamen technischen Grundlage. Wiederkehrende Funktionen und Komponenten müssen dadurch nicht in zwei getrennten Anwendungen parallel entwickelt und gewartet werden.
Die gemeinsame Basis erleichtert nicht nur die technische Weiterentwicklung. Sie sorgt auch dafür, dass zentrale Bedienkonzepte, Sicherheitsmechanismen und Darstellungslogiken über beide Anwendungen hinweg konsistent umgesetzt werden können.

Über eine kartenbasierte Oberfläche können Nutzer:innen Verkehrsdaten räumlich einordnen, durchsuchen und abfragen. Funktionen wie die Suche oder die „Auskunft über diesen Ort” machen Informationen direkt dort zugänglich, wo sie fachlich relevant sind: im konkreten geografischen Kontext.

Einzelne Teile des Clients können außerdem direkt in bestehende Fachanwendungen der GIP-Partner eingebunden werden. Die Funktionen der GIP stehen damit nicht nur in einer zentralen Anwendung zur Verfügung, sondern können auch in jene Systeme integriert werden, in denen sie im Arbeitsalltag benötigt werden.
Metadaten steuern die Benutzeroberfläche
Eine besondere technische Eigenschaft ist die metadatengetriebene Benutzeroberfläche.
Der Client erhält vom Server nicht nur fachliche Daten, sondern auch Informationen darüber, wie diese Daten in der Oberfläche dargestellt und bearbeitet werden sollen. Auf dieser Grundlage zeigt die Anwendung nahezu alle Bedienelemente dynamisch an.
Neue fachliche Inhalte können dadurch flexibler eingebunden werden. Nicht jede Änderung am Datenmodell erfordert automatisch eine individuell neu programmierte Oberfläche. Das erleichtert die Weiterentwicklung und reduziert Abhängigkeiten zwischen fachlichen Anpassungen und Frontend-Entwicklung.
Performante und standardisierte GIS-Visualisierung
Auch die Kartendarstellung wurde gezielt für die Arbeit mit großen Geodatenmengen ausgelegt. Für die performante und standardisierte GIS-Visualisierung kommen OpenLayers und GeoServer zum Einsatz. Die Komponenten unterstützen gängige Geodatenstandards und ermöglichen es, auch große und komplexe Datenmengen strukturiert in der Karte darzustellen.

Zentrale Anmeldung und einheitliche Berechtigungen
Eine zentrale Authentifizierung und Berechtigungssteuerung stellen sicher, dass Nutzer:innen abhängig von Rolle und Organisation auf die jeweils benötigten Funktionen zugreifen und nur diese manipulieren können. Dabei werden, wo sinnvoll, vorhandene Referenzimplementierungen wie die PVP-Anmeldung eingebunden.
Ergebnisse & Nutzen: Eine zukunftssichere Basis für Österreichs Verkehrsdaten
Stand Juli 2026 befindet sich das Projekt in der Abschlussphase. Mit dem neuen Client entsteht eine langfristig nutzbare Grundlage für die Weiterentwicklung der GIP.
Der Nutzen zeigt sich vor allem in der Modernisierung einer zentralen Verkehrsdateninfrastruktur. Aus einem gewachsenen Client wurde eine moderne Webanwendung, die fachliche Komplexität besser abbildet und große Datenmengen performant nutzbar macht.
Für ÖVDAT und die GIP-Partner bedeutet das konkret:
- Effizientere Abläufe in der täglichen Arbeit mit Verkehrsdaten
- Verbesserte Usability für unterschiedliche Nutzer:innen und fachliche Arbeitsweisen
- Verbesserte Performance und performante Kartendarstellung auch bei großen Geodatenmengen
- Zentrale Datenpflege und Zugriff für alle GIP-Partner
- Höhere Datenqualität und durchgängige Nachvollziehbarkeit von Bearbeitungen
- Vereinfachte Zusammenarbeit der GIP-Partner durch gemeinsame Prozesse und einheitliche technische Grundlagen
- Flexible Integrationsmöglichkeiten für bestehende Fachanwendungen
- Eine zukunftssichere Softwareplattform mit offener, erweiterbarer und langfristig wartbarer Architektur
Ausblick: Mehr Integration, neue Assistenten und weitere Schnittstellen
Die GIP wird laufend weiterentwickelt. Auch der neue Client ist deshalb nicht als abgeschlossene Einzellösung konzipiert, sondern als gemeinsame Basis für weitere Funktionen und Anwendungen.
Auf der Roadmap stehen zusätzliche Assistenten, Schnittstellen und Integrationen in Fachanwendungen der GIP-Partner. Weitere GIP-Anwendungen können künftig auf Komponenten und Konzepten des neuen Clients aufbauen.
Gewachsene Fachanwendungen lassen sich selten durch einen rein technischen Relaunch modernisieren. Es braucht ein tiefes Verständnis der fachlichen Abläufe, eine klare Architektur und die frühe Einbindung jener Personen, die täglich mit dem System arbeiten.
Über ÖVDAT
ÖVDAT, das Österreichische Institut für Verkehrsdateninfrastruktur, ist ein Verein und bildet den organisatorischen Rahmen für den österreichweiten Betrieb der GIP. Über den Verein werden seit 2016 der Betrieb, die Wartung und die laufende Weiterentwicklung der Graphenintegrations-Plattform abgewickelt.
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